Heute, am 31. März, feiern wir den Trans Day of Visibility (TDOV). Es ist ein Tag, an dem wir die Vielfalt und die Stärke der trans Community weltweit sichtbar machen. Doch Sichtbarkeit allein reicht nicht aus, solange sie in einem System stattfindet, das unser Sein noch immer pathologisiert.
In diesem Jahr setzen wir bewusst einen Schwerpunkt: Entpsychiatrisierung.
Weg von der Diagnose, hin zur Autonomie
Lange Zeit – und in Luxemburg bis heute – wurde bzw. wird die Existenz von trans Personen primär durch die Brille der Psychiatrie betrachtet, wenn es um den Zugang zu körpermedizinischen Maßnahmen geht. Identität wurde zur „Störung“, Selbstbestimmung zur „Therapiebedürftigkeit“. Auch wenn die ICD-11 der World Health Organization trans Identitäten nicht mehr als psychische Störungen klassifiziert – ein wichtiger Fortschritt – ist die Realität in vielen Köpfen und in großen Teilen der medizinischen Praxis noch eine andere.
Wir fordern ein Ende der Bevormundung:
- Identität ist keine Krankheit: trans Sein ist eine Variation menschlicher Existenz, kein psychiatrisches Problem.
- Selbstbestimmung statt Begutachtung: Der Zugang zu geschlechtsangleichenden Maßnahmen muss auf informierter Einwilligung (also der selbstbestimmten Entscheidung nach umfassender Aufklärung) basieren, nicht auf langwierigen und oft entwürdigenden psychiatrischen Zwangsbegutachtungen und den damit verbundenen regulatorischen Vorgaben (insbesondere den CNS-Statuten).
- Stopp der Gatekeeper-Mentalität – also der Praxis, Zugänge unnötig zu kontrollieren und zu verzögern: Wir brauchen eine Medizin, die begleitet und unterstützt, statt zu kontrollieren und zu bewerten.
Sichtbarkeit verpflichtet
Sichtbarkeit darf kein Alibi sein. Es bleibt bei Symbolpolitik, wenn öffentliche Bekenntnisse zu Vielfalt nicht mit konkreten Verbesserungen im Alltag einhergehen. Seit dem Gesetz zur Namens- und Personenstandsänderung von 2018 hat sich die Situation für viele trans Personen nicht spürbar verbessert – in Teilen erleben wir sogar eine Verschlechterung, auch im Kontext zunehmender transfeindlicher Diskurse auf internationaler und nationaler Ebene.
Die Entpsychiatrisierung – also die Abkehr von der Einordnung als medizinisch-psychiatrisches Problem – ist der notwendige nächste Schritt, um die Würde von trans Menschen vollumfänglich zu schützen. Es geht darum, die Deutungshoheit über den eigenen Körper und das eigene Leben zurückzugewinnen.
Gemeinsam für echte Freiheit
Am heutigen TDOV feiern wir unsere Existenz. Aber wir erinnern auch daran, dass unser Kampf erst am Ziel ist, wenn keine trans Person mehr beweisen muss, dass ihr Sein „echt“ oder „gesund“ ist.
Wir sind sichtbar. Wir sind hier. Und wir entscheiden selbst.
Sichtbarkeit war der Anfang – Selbstbestimmung ist das Ziel.
Sichtbarkeit ist ein Anfang – aber sie genügt nicht. Was wir brauchen, ist Veränderung. Austausch ist dafür kein Selbstzweck, sondern der Weg dorthin. Ende April / Anfang Mai führen wir diese Diskussion im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „trans whatever26“ weiter. Weitere Informationen sowie das Programm finden sich hier. Wir freuen uns auf gemeinsame Gespräche, Perspektiven und Impulse.
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